Ist Social Virtual Reality eine geeignete Alternative für wissenschaftliche Konferenzen? Empirische Einblicke aus einer Pilotstudie

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Abstract

In den heutigen Zeiten, die von der globalen Klimaerwärmung, schwindenden natürlichen Ressourcen und zunehmend bedrohter Biodiversität geprägt sind, ist ökologisches Handeln in allen Bereichen unserer Gesellschaft essenziell – auch in der Wissenschaft. Beispielsweise kann bei der Durchführung von akademischen Konferenzen ein signifikanter Umfang an Ressourcen, insbesondere für teils weite Anreisen mit Kraftfahrzeugen und Ressourcen, eingespart werden, indem diese online stattfinden (Welch et al., 2010). Der hierfür bislang etablierte Einsatz von Videokonferenzsystemen bringt jedoch diverse Einschränkungen, wie z. B. sehr eingeschränkte Interaktionsmöglichkeiten (Bonfert et al., 2022) und resultierende „Zoom-Müdigkeit“ (Fauville et al., 2023), mit sich, weswegen sogenannte Social-Virtual-Reality (VR)-Umgebungen hierfür zunehmend als Alternative erprobt werden. Bisherige Pilotstudien dazu zeigen eine tendenziell hohe Akzeptanz, Erlebnisqualität und Zufriedenheit mit solchen Formaten (z. B. Ahn et al., 2021; Dyrna et al., 2023; Kirchner & Nordin Forsberg, 2021; Zender & Mulders, 2022), nehmen jedoch nur wenig Bezug auf ihre Vor- und Nachteile gegenüber Durchführungen per Videokonferenz oder in Präsenz sowie auf spezifische Kriterien der Interaktionsqualität, die für den Erfolg solcher Veranstaltungen von maßgeblicher Bedeutung sein dürften. Um dem zu begegnen, wurde eine weitere Pilotstudie durchgeführt, in der Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler (N = 34) an einer zweitägigen Fachkonferenz in Social VR teilnahmen und dazu anschließend einen standardisierten Fragebogen beantworteten Er setzte sich aus gebundenen Fragen mit validierten (z. B. Task-Technologie-Fit-Scale; Howard & Rose, 2019) und eigenkonstruierten Skalen, u. a. zur individuellen Formatpräferenz sowie wahrgenommenen Interaktionsmöglichkeiten und -potentialen, und einer offenen Frage zu Vor- und Nachteilen des Formats zusammen. Die Ergebnisse zeigen eine insgesamt hohe Teilnahmefreude und wahrgenommene Eignung des Veranstaltungsformats. Folglich würden im Falle einer Wahl fast so viele Teilnehmende eine Social-VR-Variante (38 %) präferieren wie eine Präsenzveranstaltung (47 %), während Videokonferenzsystem deutlich weniger Fürsprache (15 %) finden. Gründe hierfür liegen neben der grundlegenden Zeitersparnis, Ortsunabhängigkeit und Barriere-Reduktion durch Online-Formate vor allem im stärkeren räumlich-sozialen Erleben und einem hohen Wohlbefinden bei Teilnahme und Interaktion. Es wird jedoch auch deutlich, dass die Interaktionsqualität dabei, insbesondere hinsichtlich der Möglichkeiten zum informellen sozialen Austausch zwischen den Teilnehmenden, u. a. durch die begrenzten Möglichkeiten für die individuelle Kommunikationsgestaltung und non-verbale Signale gegenüber Präsenzveranstaltungen zurücksteht. Hier sollten Forschung und Praxis gemeinsam anknüpfen, um sowohl bestehende Social-VR-Werkzeuge als auch Veranstaltungskonzepte hierfür empirisch begleitet zu optimieren.

Details

Original languageGerman
Title of host publicationProceedings Gemeinschaften in Neuen Medien. KI & Menschlichkeit: Technologie in sozialer Verantwortung: 28. Workshop GeNeMe‘25 Gemeinschaften in Neuen Medien
EditorsThomas Köhler, Eric Schoop, Ralph Sonntag
Place of PublicationDresden
Publisher Dresden : TUDpress
Publication statusPublished - 18 Sept 2025
Peer-reviewedYes

Conference

Title28th annual conference of Communities in New Media 2025
SubtitleAI & HUMANITY: Technology in social responsibility
Abbreviated titleGeNeMe 2025
Conference number28
Duration18 - 19 September 2025
Website
LocationEvangelische Hochschule Dresden & Online
CityDresden
CountryGermany

External IDs

ORCID /0000-0002-3718-0645/work/195438880

Keywords

Keywords

  • Social Virtual Reality, wissenschaftliche Konferenzen, Task-Technology-Fit, Interaktionsqualität