35 Jahre Deutsche Einheit aus sozialwissenschaftlicher Perspektive: Ausgewählte Ergebnisse der 35. Welle der Sächsischen Längsschnittstudie 2025
Research output: Book/Conference proceeding/Anthology/Report › Monograph › Contributed
Contributors
Abstract
Im 35. Jahr der deutschen Wiedervereinigung sind die Unterschiede zwischen alten und neuen Bun-desländern, zwischen West- und Ostdeutschen in vielen verschiedenen Bereichen sichtbar. So sind z.B. die Einkommen und die Vermögen im Osten immer noch deutlich niedriger, die Arbeitslosen-quote ist höher, die AnhängerInnen von AfD, Die Linke und BSW sind zahlreicher.
Dieser Ergebnisbericht stellt in Fortschreibung des Berichts aus dem Jahre 2020 (Berth et al., 2020a) ausgewählte Daten der 35. Welle der Sächsischen Längsschnittstudie mit dem Schwerpunkt Einschätzung der Wiedervereinigung dar. Die Sächsische Längsschnittstudie (Berth et al., 2020b, http://www.wiedervereinigung.de/sls) wurde bereits 1987 bei damals 14-jährigen Schüle-rInnen (N = 1.407) in den Bezirken Karl-Marx-Stadt und Leipzig der damaligen DDR begonnen. N = 587 erklärten sich im Frühjahr 1989 zur weite-ren Mitarbeit bereit.
Die TeilnehmerInnen füllten nahezu jährlich einen (Online-) Fragebogen aus, der vor allem Fragen zur Erleben der ostdeutschen Transformation aus sozialwissenschaftlicher Perspektive enthält. Weitere Fragestellungen befassen sich u. a. mit der psychischen und physischen Gesundheit, der Familiengründung, der Binnenmigration oder dem Erleben von Arbeitslosigkeitserfahrungen.
An der 35. Erhebung 2025 nahmen N = 316 Per-sonen teil (53,5 % weiblich, mittleres Alter 52,5 Jahre, 76,9 % in Partnerschaft lebend). Die 36. Erhebungswelle ist bereits geplant.
Die deutsche Wiedervereinigung wird insgesamt von den TeilnehmerInnen als Gewinn erlebt. 87 Prozent befürworten 2025 die Wiederherstellung der deutschen Einheit, 1990 waren es 74 Prozent. 86 Prozent gaben aber an, dass sie froh sind, die DDR noch erlebt zu haben. Die Befragten fühlen sich zu allen Erhebungszeitpunkten gleicherma-ßen als BürgerInnen der Bundesrepublik und als ehemalige DDR-BürgerInnen. Die gesellschaftli-che Entwicklung in Ostdeutschland wird zuneh-mend als Fortschritt bewertet (1996: 42 %, 2022: 47 %, 2025: nicht erhoben). In vielen Fragen fin-den sich im Zeitverlauf deutliche Veränderungen hin zu einer wachsenden „inneren Einheit“ und zu einer Annäherung von Ost und West. So sehen sich z.B. zunehmend mehr Befragte als Gewinne-rIn der Einheit (2005: 44 %, 2022: 76 %). Immer weniger der StudienteilnehmerInnen fühlen sich als „Deutsche 2. Klasse“ (1995: 53 %, 2025: 33 %). Jedoch wird durch die TeilnehmerInnen auch bilanziert, dass der Transformationsprozess noch lange nicht vollendet ist. Als Termin zur Herstel-lung der wirtschaftlichen Einheit wird das Jahr 2045, für die innere Einheit das Jahr 2053 ange-nommen. Als Einflussfaktoren für eine eher kriti-schere Sicht auf den Vereinigungsprozess erwie-sen sich weibliches Geschlecht, niedrigere Bil-dung sowie der Wohnort Ostdeutschland.
Die Daten der Sächsischen Längsschnittstudie belegen in einzigartiger Weise die Entwicklung von Meinungen und Einstellungen bei einer identi-schen Gruppe Ostdeutscher seit 1987. Die Zu-stimmung zur deutschen Einheit ist im Beobach-tungszeitraum immer uneingeschränkt hoch. Der Prozess der Wiedervereinigung ist aus Sicht der StudienteilnehmerInnen jedoch in vielen gesell-schaftlichen Bereichen noch nicht vollendet.
Eine Limitation der Studie ist die altershomogene, gut gebildete Stichprobe von ausschließlich in Sachsen aufgewachsenen Ostdeutschen. Die Verallgemeinerung der Ergebnisse auf andere ostdeutsche Länder und/oder andere Altersgrup-pen sollte daher vorsichtig erfolgen. Die Teilnah-mequote liegt nach mehr als 30 Jahren Studien-dauer bei 54 Prozent. Längsschnittdaten einer westdeutschen Vergleichsgruppe sind nicht ver-fügbar.
Dieser Ergebnisbericht stellt in Fortschreibung des Berichts aus dem Jahre 2020 (Berth et al., 2020a) ausgewählte Daten der 35. Welle der Sächsischen Längsschnittstudie mit dem Schwerpunkt Einschätzung der Wiedervereinigung dar. Die Sächsische Längsschnittstudie (Berth et al., 2020b, http://www.wiedervereinigung.de/sls) wurde bereits 1987 bei damals 14-jährigen Schüle-rInnen (N = 1.407) in den Bezirken Karl-Marx-Stadt und Leipzig der damaligen DDR begonnen. N = 587 erklärten sich im Frühjahr 1989 zur weite-ren Mitarbeit bereit.
Die TeilnehmerInnen füllten nahezu jährlich einen (Online-) Fragebogen aus, der vor allem Fragen zur Erleben der ostdeutschen Transformation aus sozialwissenschaftlicher Perspektive enthält. Weitere Fragestellungen befassen sich u. a. mit der psychischen und physischen Gesundheit, der Familiengründung, der Binnenmigration oder dem Erleben von Arbeitslosigkeitserfahrungen.
An der 35. Erhebung 2025 nahmen N = 316 Per-sonen teil (53,5 % weiblich, mittleres Alter 52,5 Jahre, 76,9 % in Partnerschaft lebend). Die 36. Erhebungswelle ist bereits geplant.
Die deutsche Wiedervereinigung wird insgesamt von den TeilnehmerInnen als Gewinn erlebt. 87 Prozent befürworten 2025 die Wiederherstellung der deutschen Einheit, 1990 waren es 74 Prozent. 86 Prozent gaben aber an, dass sie froh sind, die DDR noch erlebt zu haben. Die Befragten fühlen sich zu allen Erhebungszeitpunkten gleicherma-ßen als BürgerInnen der Bundesrepublik und als ehemalige DDR-BürgerInnen. Die gesellschaftli-che Entwicklung in Ostdeutschland wird zuneh-mend als Fortschritt bewertet (1996: 42 %, 2022: 47 %, 2025: nicht erhoben). In vielen Fragen fin-den sich im Zeitverlauf deutliche Veränderungen hin zu einer wachsenden „inneren Einheit“ und zu einer Annäherung von Ost und West. So sehen sich z.B. zunehmend mehr Befragte als Gewinne-rIn der Einheit (2005: 44 %, 2022: 76 %). Immer weniger der StudienteilnehmerInnen fühlen sich als „Deutsche 2. Klasse“ (1995: 53 %, 2025: 33 %). Jedoch wird durch die TeilnehmerInnen auch bilanziert, dass der Transformationsprozess noch lange nicht vollendet ist. Als Termin zur Herstel-lung der wirtschaftlichen Einheit wird das Jahr 2045, für die innere Einheit das Jahr 2053 ange-nommen. Als Einflussfaktoren für eine eher kriti-schere Sicht auf den Vereinigungsprozess erwie-sen sich weibliches Geschlecht, niedrigere Bil-dung sowie der Wohnort Ostdeutschland.
Die Daten der Sächsischen Längsschnittstudie belegen in einzigartiger Weise die Entwicklung von Meinungen und Einstellungen bei einer identi-schen Gruppe Ostdeutscher seit 1987. Die Zu-stimmung zur deutschen Einheit ist im Beobach-tungszeitraum immer uneingeschränkt hoch. Der Prozess der Wiedervereinigung ist aus Sicht der StudienteilnehmerInnen jedoch in vielen gesell-schaftlichen Bereichen noch nicht vollendet.
Eine Limitation der Studie ist die altershomogene, gut gebildete Stichprobe von ausschließlich in Sachsen aufgewachsenen Ostdeutschen. Die Verallgemeinerung der Ergebnisse auf andere ostdeutsche Länder und/oder andere Altersgrup-pen sollte daher vorsichtig erfolgen. Die Teilnah-mequote liegt nach mehr als 30 Jahren Studien-dauer bei 54 Prozent. Längsschnittdaten einer westdeutschen Vergleichsgruppe sind nicht ver-fügbar.
Details
| Original language | German |
|---|---|
| Place of Publication | Dresden |
| Publisher | wiedervereinigung.de |
| Number of pages | 31 |
| Edition | 1 |
| ISBN (print) | 978-3-00-082896-6 |
| Publication status | Published - 2025 |
| Peer-reviewed | No |
External IDs
| ORCID | /0000-0002-1491-9195/work/201624988 |
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