Skip to content Skip to footer

Zur Fachterminologie in historischen Italienischlehrwerken für Damen und Anfänger

Activity: Talk or presentation at external institutions/events › Talk/Presentation › Contributed

Date

27 Mar 2026

Description

Abstract:
Die Relevanz der romanischen Sprachen in Deutschland hat eine jahrhundertelange Tradition, die sich nicht zuletzt darin zeigt, dass ihr Studium in allen Bevölkerungsschichten nachweisbar ist (Palermo & Poggiogalli 2010). Die Behandlung und Vermittlung des Italienischen in sogenannten Gebrauchsgrammatiken für Anfänger und Damen im 18. und frühen 19. Jahrhundert reiht sich in diese Tradition ein (Beck-Busse 2005: 28, 2014: 183; Sanson 2016: 449). Diese Lehrwerke zeichnen sich insbesondere durch eine strenge Reduktion der Sprachtheorie auf ein notwendiges Minimum aus (Beck-Busse 2014: 185), was einen Einblick in die Wahrnehmung der zentralen Grundlagen der Fremdsprache erlaubt.
Besondere Aufmerksamkeit verdient der Umgang der Autoren dieser Grammatiken mit dem Problem der Fachterminologie, die im 19. Jahrhundert Ausdruck einer Grundsatzdebatte ist: Welche Terminologietradition sollte im Fokus des Spracherwerbs stehen? Der Vortrag betrachtet aus linguistischer Sicht, wie Autoren verschiedener Fremdsprachenlehrwerke (Fernow 1804; Fabbrucci 1835; Kannegießer 1845) lateinische, deutsche und italienische Fachbegriffe exklusiv und parallel verwenden, um ihre Position zu etablierten und neu entstehenden Terminologien auszudrücken und diese zugleich an die Bedürfnisse ihrer adressierten Zielgruppe anzupassen (Beck-Busse 2014: 187; Polzin-Haumann 2001: 137). Fachterminologie wird dabei als Zeugnis von Sprachkontakt verstanden und als Teil eines diachronen Lehnwortschatzes untersucht.
Der Beitrag argumentiert darüber hinaus, dass derartige Fragestellungen nicht allein mit qualitativen Methoden bearbeitet werden können. Quantitative Verfahren der Digital Humanities (Andresen 2024; Burdick et al. 2012) eröffnen neue Zugänge für diachrone und vergleichende Analysen. Ihre Instrumente (z. B. OCR-Verarbeitung, Tokenisierung und Frequenzvergleiche) werden dabei nicht primär als technische Hilfsmittel verstanden, sondern als epistemische Operatoren philologischer Erkenntnis, die den traditionellen, qualitativen Ansatz im Sinne einer Digital Philology (Driscoll & Pierazzo 2016) erweitern, ohne im Gegensatz zur etablierten philologischen und linguistischen Tradition zu stehen.

Literaturverweise:

Andresen, Melanie (2024): Computerlinguistische Methoden für die Digital Humanities: Eine Einführung für Geisteswissenschaftler:innen. Tübingen: Narr Francke Attempto Verlag.

Beck-Busse, Gabriele (2005): Von der Historizität des Schreibens über Grammatik. In: Brigitte Jostes & Jürgen Trabant (Hrsg.). Historische Anthropologie der Sprache (Paragrana: Internationale Zeitschrift für Historische Anthropologie) 14(1). 21–46. Berlin: Akademie-Verlag

Beck-Busse, Gabriele (2014): «Grammaire des Dames», «Grammatica per le Dame»: Grammatik im Spannungsfeld von Sprache, Kultur und Gesellschaft. Frankfurt am Main: Peter Lang.

Burdick, Anne, Johanna Drucker, Peter Lunenfeld, Todd Presner & Jeffrey Schnapp (2012): Digital_humanities. Cambridge, MA: MIT Press.

Driscoll, Matthew James & Elena Pierazzo (Hrsg.) (2016): Digital Scholarly Editing: Theories and Practices. Open Book Publishers.

Fabbrucci, Fabio (1835): Anleitung zur Erlernung der italienischen Sprache, nebst einer kleinen Abhandlung über die italienische Poesie. Berlin: George Gropius.

Fernow, Carl Ludwig (1804): Italienische Sprachlehre für Deutsche. Tübingen: J. G. Cotta.

Kannegießer, Karl Ludwig (1845): Italienische Grammatik nebst Lesebuch und Wörterverzeichniß für Anfänger und Geübtere und vorzüglich auch für Damen; mit einer Geschichte der italienischen Literatur. Leipzig: Fr. Hentze.

Palermo, Massimo & Danilo Poggiogalli (2010): Grammatiche di italiano per stranieri dal ’500 a oggi profilo storico e antologia. Ospedaletto (Pisa): Pacini.

Polzin-Haumann, Claudia (2001): ‚Gebrauchsgrammatik‘ aus terminologischer Sicht: Konzepte und Begrifflichkeit in den Werken von Bosquet (1589) und Chiflet (1659). In: Wolfgang Dahmen (Hrsg.). „Gebrauchsgrammatik“ und „Gelehrte Grammatik“: französische Sprachlehre und Grammatikographie zwischen Maas und Rhein vom 16. bis zum 19. Jahrhundert (Tübinger Beiträge zur Linguistik 454). 131–148. Tübingen: Narr.

Sanson, Helena (2016): Grammatiche dell’italiano ‘Pour Les Dames’ nel Settecento: Antonio Curioni fra Parigi e Londra. In: Helena Sanson & Francesco Lucioli (Hrsg.). 500 Years of Italian Grammar(s), Culture, and Society in Italy and Europe: From Fortunio’s Regole (1516) to the Present (The Italianist) 36(3). 447–470. Routledge. doi:10.1080/02614340.2016.1225798.

Symposium

TitleXLI. Forum Junge Romanistik
SubtitleKontinua: Polaritäten, Grenzen, Übergänge, Verschmelzungen
Abbreviated titleFJR 2026
Conference number41
Duration25 - 27 March 2026
Website
Degree of recognitionInternational event
LocationEberhard Karls Universität Tübingen
CityTübingen
CountryGermany

Keywords