Digitalisierung im Lehralltag an Hochschulen: Eine rekonstruktive Studie zu handlungsleitenden Orientierungen von Lehrpersonen am Beispiel einer klassischen Ingenieurwissenschaft

Publikation: Hochschulschrift/AbschlussarbeitDissertation

Abstract

Die Arbeit untersucht die Digitalisierung der Hochschullehre aus der Alltagsperspektive von Lehrenden in den klassischen Ingenieurwissenschaften. Die Studie entstand teilweise unter dem Eindruck der COVID-19-Pandemie, die als kollektive Digitalisierungserfahrung aufgegriffen wird.
Unter Rückgriff auf wissenssoziologisch-praxeologische Ansätze (Mannheim, Bohnsack, Nohl) liegt der Fokus auf konjunktiven, d. h., vorreflexiven, kollektiven Wissensbeständen. Digitalisierung wird dabei nicht vorab definiert, sondern zeigt sich als situierter, relationaler Aushandlungsprozess. Alltag dient als Linse, um verschiedene Einflussfaktoren der Lehrpraxis gleichzeitig in den Blick zu nehmen.
Auf der empirischen Grundlage von 13 narrativ fundierten Interviews (erhoben im Zeitraum zwischen 2018 bis 2020) werden mittels Dokumentarischer Methode handlungsleitende Orientierungen Hochschullehrender rekonstruiert.
Strukturierend für den Lehralltag zeigen sich zwei zentrale Orientierungsprobleme – Hochschullehrende:r werden und sein sowie (gute) Hochschullehre machen. Der Umgang mit diesen Herausforderungen wird in Form von zwei Basistypiken beschrieben: einer Lehrendentypik (Anpassung, Selbstpositionierung, Enaktierung) und einer Lehrtypik (Inhalts-, Beziehungs-, Aushandlungsorientierung sowie Normdiffusion). Das Digitale erscheint nicht als eigenständiges Orientierungsproblem, sondern als Dimension bestehender Orientierungen.
Die Studie verdeutlicht, dass die Herausforderungen digitaler Hochschullehre weniger in technischen Hürden oder fehlenden Kompetenzen der Lehrenden liegen, sondern auf Passungsprobleme mit existierenden Lehrorientierungen zurückzuführen sind.
Daraus ergibt sich die Anregung zu einer stärkeren Selbstreflexion von Medientätigen – also Personen, die sich hauptamtlich mit Fragen der digitalen Hochschullehre befassen – in Bezug auf ihre strukturelle Eingebundenheit und ihre normativen Voreinstellungen. Zugleich steht das Plädoyer für die stärkere Beachtung der Eigenlogik des Lehrens sowie für Digitalisierungsstrategien, die an gelebten Lehrpraxen ansetzen.

Details

OriginalspracheDeutsch
QualifizierungsstufeDr. phil.
Gradverleihende Hochschule
Betreuer:in / Berater:in
Förderer
  • Evangelisches Studienwerk e. V. Villigst
Datum der Verteidigung (Datum der Urkunde)16 Jan. 2026
ErscheinungsortDresden
PublikationsstatusVeröffentlicht - 4 März 2026
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Externe IDs

ORCID /0000-0002-3268-6516/work/208070591

Schlagworte

Schlagwörter

  • Dokumentarische Methode, handlungsleitende Orientierungen, Engineering Education, Hochschullehrende