Alzheimer-Demenz: eine Lithium-Mangelerkrankung? Bahnbrechende Forschungsergebnisse zu Pathogenese und therapeutischen Optionen

Publikation: Beitrag in FachzeitschriftÜbersichtsartikel (Review)BeigetragenBegutachtung

Beitragende

Abstract

Ziel Die neuen Forschungsergebnisse von Aron et al. zum Zusammenhang zwischen Lithium und Alzheimer-Demenz umfassend darstellen und kritisch bewerten. Diskussion der Bedeutung für zukünftige Forschung und klinische Praxis.

Methodik Die Arbeitsgruppe um Aron untersuchte Lithiumkonzentrationen aus natürlicher Lithiumaufnahme mit der Nahrung in humanen Hirngewebeproben von Verstorbenen mit und ohne Alzheimer-Demenz sowie in Mausmodellen mit und ohne Alzheimer-Pathologie. Zusätzlich wurden Effekte einer lithiumarmen Ernährung und verschiedener Lithiumsalze (Lithiumcarbonat und Lithiumorotat) auf die Entwicklung und Progression alzheimertypischer Veränderungen analysiert.

Ergebnisse/Diskussion In humanen Proben zeigte sich eine signifikant verminderte Lithiumkonzentration im präfrontalen Kortex von Alzheimer-Patienten, während in den charakteristischen Amyloid-Plaques eine Anreicherung von Lithium nachweisbar war. In Mausmodellen führte eine lithiumarme Ernährung zu einer Verschlechterung kognitiver Leistungen und alzheimertypischen Hirngewebeveränderungen. Besonders bemerkenswert war, dass die Gabe von Lithiumorotat – im Gegensatz zu Lithiumcarbonat – die Ausbildung alzheimertypischer Veränderungen im Mausgehirn und in Gedächtnistests verhindern und sogar rückbilden konnte. Die Effekte könnten durch Veränderungen der Glykogensynthase-Kinase-3 Beta (GSK3β) vermittelt sein, einem Schlüsselenzym der Alzheimer- Pathogenese.

Schlussfolgerung Die Ergebnisse deuten auf einen potenziellen Paradigmenwechsel in der Alzheimer-Forschung hin: Natürlich vorkommendes Lithium könnte eine physiologische Schutzfunktion für das alternde Gehirn besitzen. Lithiumorotat zeigt in präklinischen Modellen eine ausgeprägte neuroprotektive und krankheitsmodifizierende Wirkung. Kontrollierte klinische Studien zur Anwendung von Lithiumorotat bei Menschen mit MCI oder Alzheimer-Demenz sind dringend erforderlich, um die Übertragbarkeit dieser spektakulären Befunde zu prüfen.

Details

OriginalspracheDeutsch
Seiten (von - bis)784-789
Seitenumfang6
FachzeitschriftNervenheilkunde
Jahrgang44
Ausgabenummer11
PublikationsstatusVeröffentlicht - 1 Nov. 2025
Peer-Review-StatusJa

Externe IDs

ORCID /0000-0001-9976-6601/work/200631665

Schlagworte

Ziele für nachhaltige Entwicklung

Schlagwörter

  • Alzheimer‘s dementia, lithium, lithium carbonate, lithium deficiency, lithium orotate, naturally occurring lithium